Nirgendwo im deutschen Raum entwickelte sich eine so eigenständige und hohe barocke Kultur wie im Süddeutschen. In den ehemaligen habsburgischen Gebieten Württembergs und vor allem im immer katholischen Bayern. Das ist ein Reichtum von nahezu einmaliger Qualität wie sie in dieser Dichte nicht einmal in Österreich anzutreffen ist. Ich lade zu dieser Erkundungsreise, auf Grund meines Alters, sicher die letzte in dieses Gebiet, sehr herzlich ein!
1. Tag: Unsere erste Station ist Weyarn. Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift gehört heute dem Deutsche Orden mit Sitz in Wien und ist künstlerisch durch Hauptwerke des Münchner Hofbildhauers Ignaz Günther ausgezeichnet. Seine Werke, (unter anderen) „Maria Verkündigung“ oder „Marienklage“ sind weder an gläubiger Inbrunst noch an Ästhetik zu überbieten. Günther zählt zu den Ganzgroßen des ausgehenden Barocks in Bayern.
Dietramszell: Udalschalk von Tegernsee gründet um 1100 eine “cella beati Martini“ aus der in der Folge das Stift entsteht. Nach einem Brand 1648 wird mit der Wiedererrichtung begonnen, die sich relativ lange hinzieht. So stammt die Innenausstattung erst von Joh. Babt. Zimmermann (Wessobrunn), Franz Xav. Schmädl (Weilheim) und Phil. Jak. Rämpl (Wolfratshause) aus 1750, was der Qualität absolut guttut. 1803 wird das Kloster zum Sammelort für die durch die Säkularisation obdachlos gewordenen Nonnen, ehe es 1830 von Salesianerinnen wiederbesiedelt wurde.
Nach der Mittagsrast geht es nach Hohenpeißenberg. Je nach Zeitverfügbarkeit und Wetterbedingung ist eine Auffahrt auf den Hohenpeißenberg vorgesehen. Wenn auch nur 988 m hoch gelegen, wird er wegen der wunderbaren Aussicht auch der „Bayrische Rigi“ genannt. Obwohl nur eine kleine Kirche, ist Hohenpeißenberg ein bedeutender Wallfahrtsort. Sie ist reichlich mit Werken der Weilheimer und Wessobrunner Meister Schmädl, Steinle, Schmutzer und Matth. Günther versehen. Eine spätgotische, thronende Madonna ist das beliebte Ziel der Wallfahrer.
Übernachtung im Raum Schongau/Peißenberg.
2. Tag: Abfahrt zur Wieskirche, dem „Überdrüber“ des bayerischen Barocks. Schon vor 1800 wird diese Wallfahrtskirche von Fußpilgern aus ganz Europa, von St. Petersburg bis Cadiz, besucht. Ziel ist der Gegeißelte Heiland, das Thema der Karwoche, „bedeckt mit Blut und Wunden“ in nahezu unerträglicher Realität. Der Wessobrunner Dominikus Zimmermann schafft zwischen 1745 und 1766 sein unübertreffliches Meisterwerk. Trotz des dramatischen Geschehens, eine Perle des duftigen, leichten anmutigen und unbeschreiblichen Rokokos. Polling, das uns auch mit Tassilo III., dem Gründer von Kremsmünster, in Verbindung bringt. Heute säkularisiert, stand das Kloster im 18. Jhdt. an der Spitze der Wissenschaft aller bayerischen Klöster. Berühmt ist das „Pollinger Kreuz“, das der Legende nach von einer Hirschkuh aus dem Boden gescharrt wurde. Es ist eines der frühesten Wallfahrtsziele Bayerns. Der weitere Weg führt uns über Murnau nach Schäftlarn im Isartal, wo wir ebenfalls auf Münchner Hofkünstler, wie Viscardi, Cuvillies d.Ä., Gunetzrhainer, Fischer, J. B. Zimmermann und J. B. Straub treffen. Ein großartiges Erlebnis!
Auf Grund der Fastenzeit (Karwoche) werden in einigen Kirchen Teile der Altäre verhängt sein. Das soll die Qualität der Reise nicht beeinträchtigen.